Wörlitz, 27.08.2002, von Michael Lampalzer

Helfer zurück aus dem Hochwassergebiet

Nach einer Woche Hochwasserhilfe in Sachsen-Anhalt sind nun die waldhessischen Helfer des Technischen Hilfswerks zurückgekehrt.

Je 15 Helfer aus Bad Hersfeld und Rotenburg waren in der Region zwischen Wörlitz und der Lutherstadt Wittenberg im Einsatz. Neben der Deichsicherung mit Sandsäcken war besonders die Versor-gung mit Elektrizität durch mitgebrachte Notstromaggregate gefragt. Aufgeteilt in zwei Gruppen kamen sie mit weiteren nordhessischen THW-Helfern zum Einsatz.

Eine Gruppe wurde verstärkt durch das THW aus Melsungen und Schwalmstadt. In der Lutherstadt Wittenberg wurden in enger Zusammenarbeit mit den Einwohnern und der Bundeswehr Sandsäcke befüllt, besonders auch für undichte Deichstellen, die mit Fahrzeugen nicht mehr erreichbar waren. Wie im Fernsehen häufig zu sehen gewesen, plazierten hier Bundeswehrhubschrauber gezielt Sandsackbündel aus der Luft. Aufgabe der THW-Helfer war es, diese jeweils 160 Sandsäcke umfassenden Netze zu beladen. Während die Hubschrauber wenige Meter über dem Boden in der Luft blieben, wurden die Bündel angehangen, ohne das eine Landung nötig wurde. In der Nacht leuchteten die THW-Helfer Deichbruchstellen aus und arbeiteten an deren Reparatur. "Der Sand wurde in Sattelzügen angeliefert. Wir waren begeistert, mit welcher Einsatzbereitschaft rund 300 Bewohner jeweils die komplette LKW-Ladung innerhalb von nur 15 Minuten in Säcke umgefüllt haben", berichtete ein Helfer.


Ganz anders war die Lage im Ort Pratau, der komplett evakuiert war. Hier wurden von den Helfern Gefahren von Deichbruchstellen erkundet und weitere Hilfe des THWs wie zum Beispiel der Einsatz von großem Baugerät wie Radladern der Bergungsräumgruppe aus Fulda koordiniert. Ein besonders Augenmerk richteten die Helfer auf ausgeflossenes Öl und Ölschleier auf dem Wasser, um spezielle Fachgruppen des THW zur Beseitigung alarmieren zu können.

Noch bedrohlicher war die Situation im von Wassermassen völlig eingeschlossenen Prettin. Zunächst mußten sich die Helfer mit ihren LKWs einen Weg durch überflutete Straßen und Wege bahnen. Zusammen mit der Polizei suchten sie ihren Weg auch abseits der völlig überfluteten Straßen. Trotzdem mußten sie auch dort noch bis zu 90 cm tiefes Wasser mit ihren Fahrzeugen durchqueren. Vor Ort schützten sie unter anderem mit einem 30 m langen Sandsackwall einen Metallbaubetrieb, dessen Hof bereits vom Wasser eingenommen war. Mit einem Notstromaggregat halfen sie der Bürgermeisterin und der Gemeindeverwaltung zumindest die dringendsten Arbeiten zu ermöglichen, der Ort war komplett von der Strom- und Wasserversorgung getrennt. Auch kleinere Einsätze wie zum Beispiel die Transport und die Verteilung des Brots des einzig noch funktionierenden Bäckereibetriebes übernahm das THW. Nebenbei koordinierten die waldhessichen Helfer noch die Organisation der Unterkunft für rund 400 THW Helfer in einer umfunktionierten Schule.

Eine weitere Gruppe war zusammen mit THWlern aus Fritzlar und Hofgeismar zur Deichsicherung in Wörlitz eingesetzt, einer Region, die als Dessau-Wörlitzer Gartenreich zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Auch hier wurden zusammen mit Helfern von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und der Bundeswehr Sandsäcke zur Deichstabilisierung und -erhöhung verbaut. "Als wir ankamen, stand das Wasser nur 20 cm unter der Kante. Der Deich war schon teilweise durchgeweicht.", berichtete einer der Helfer. Zur Beobachtung des kritischen Wasserstandes in der Dunkelheit bauten die Helfer ihre mitgebrachten Scheinwerfer und Notstromaggregate auf. Als Deichläufer prüften sie in Nachtschichten den Deich auf Risse und Unterspülungen. Dort wo der Deich schon durchgeweicht war, war für die Helfer größte Vorsicht nötig, um sich nicht selbst zu gefährden. Tagsüber nicht benötigte Aggregate konnten punktuell die Stromversorgung überbrücken, so konnte zum Beispiel die dringend benötigte Belüftung in einem Schweinestall sichergestellt werden. Große Hilfsbereitschaft der örtlichen Bevölkerung begegnete den Helfern nicht nur direkt beim Sandsackfüllen, ein Hotel in Wörlitz stellte sowohl kostenlos seine Zimmer als auch die Verpflegung zur Verfügung. "Wenn es nötig war, haben wir um 5 Uhr Frühstück bekommen.", lobten die Helfer.

Ein weiterer Einsatzort in dieser Region war Gohrau. Der Ort war ringsherum von Wasser eines Überlaufbeckens (Polder) eingeschlossen und deshalb vorübergehend als "Insel" erklärt worden, die es durch Deiche zu schützen galt. Außerdem beteiligten sich die Helfer an Pumparbeiten, um das Wasser geordnet aus dem Polder abfließen zu lassen. Neben diesen Einsätzen unterstützen die Helfer noch anderen Ortsverbände bei ihren Arbeiten.


Auch nach der Rückkehr der Hersfelder und Rotenburger THWler bleibt die Hilfe des THW gesichert. Aus einem bundesweiten Einsatzbereitschaft sind dazu Helfern nachgerückt. Auch aus Waldhessen stehen hierfür weitere THW-Helfer bereit.

Darüber hinaus bleiben noch zwei weitere Helfer bis in diese Woche hinein im Einsatz. Ein Fahrer aus Rotenburg sorgt für den nötigen Sandsacknachschub im zentralen Lager in Leipzig und hat dazu zusammen mit anderen THW-Helfern in mehreren Fahrten bereits drei Millionen Sandsäcke aus Belgien geholt. Außerdem beteiligt sich der Hersfelder THW-Ortsbeauftragte in Stendal seit mehr als einer Woche als THW-Fachberater an der Koordination von Hilfsmaßnahmen von 2000 Helfern. Sehr erfreulich ist, daß die waldhessischen THW-Helfer von ihren Arbeitgebern problemlos für die Aufgaben im Katastrophengebiet freigestellt wurden. Mit über 11.000 beteiligten Helfern aus dem gesamten Bundesgebiet ist dies der größte Einsatz des THW seit seiner Gründung vor 52 Jahren.


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